Im Garten | στον κηπο

Du hast die Pinsel. Du hast die Farben.
Male das Paradies und gehe hinein.
Nikos Kazantzakis


In mehreren Sommern war ich zu Gast auf einer griechischen Insel. Sie besuchte Gärten von Freunden, durchquerte fremde Landschaften und fing ihre Eindrücke mit der Kamera ein. Die Serie „Im Garten“ entstand mit Fotografien, die eine starke Sogwirkung entfalten und dabei der Natur ihr Geheimnis lassen./p>

 

8-teilige Fotoserie, 20x30 cm, 2014, Fotografie auf Acrylglas. (Ausstellungsansicht)

 

You have the brushes. You have the colors.
Paint paradise and go inside.
Nikos Kazantzakis

 

In several summers I was a guest on a Greek island. She visited gardens of friends, crossed foreign landscapes and captured her impressions with her camera. The series "In the Garden" was created with photographs that unfold a strong attraction and leave their secret to nature.

8-part photo series, 20x30 cm, 2014, photograph on acrylic glass. (exhibition view)


Nacht und Welt

von © Michael Kröger 2019

Photographieren heißt wörtlich aus dem Griechischen (φωτός photós ‚Licht‘ und γράφειν graphein, schreiben) übersetzt mit Licht schreiben. Für uns gegenwärtige BetrachterInnen heißt es heute vor allem dem Licht, das in der besonderen Welt eines Bildes aufleuchtet, eine Spur zu geben – was ins Heute übersetzt heißen kann, dem Rätsel, das ein photographiertes Bild in uns hinterlässt, eine angemessene sprachliche Formulierung zu geben.

Eine Photographie ist „der Beweis für das Zusammentreffen von Ereignis und Photograph“ – hat einmal der englische Kunstessayist John Berger geschrieben und damit eine äußerst reduzierte Minimalbestimmung des Mediums geliefert. Doch was, so könnte man fragen, begegnet sich eigentlich in den drei Nachtansichten von Kerstin Hehmann? In diesen Ansichten scheint sich das Licht der photographischen Welt demonstrativ zurück gezogen zu haben. Welche Welten eröffnen sich unseren tastenden Blicken, wenn wir uns auf die verborgenen Unbestimmtheiten in diesen drei Arbeiten einlassen? Wie lassen diese drei Ansichten plötzlich ihre eigenen Welten erscheinen?

Wir, die wir ja die unnachahmliche Aura einer bestimmten Nachtsicht wie die Fotografin gerade nicht miterlebt haben, sind, wie Roland Barthes einmal geschrieben hat, wie „Archäologen“ einer unbestimmten Spur auf der Spur. Diese Spur verweist auf die Begegnung zwischen einer Wirklichkeit, die wie ein geheimnisvolles Zeichen aus der Nacht ins Licht gebracht wird.

Anders als die zeitliche Erkenntnis des „Es ist so gewesen“ (Roland Barthes) sind ihre Fotografien mit der Begegnung der Zeit ihre BetrachterInnen verbunden. Doch wie kann mir, dem Betrachter, eine Fotografie als Bild überhaupt eine aktuelle Form einer Erleuchtung verschaffen? Und anders als die diskontinuierliche Zeit, die das Medium Photographie seit ihrer Erfindung ausgezeichnet hat, steht in diesen drei Bildern die Unmöglichkeit einer eindeutigen Bestimmung im Mittelpunkt. Wir sehen künstlich erleuchtete Fragmente (ein Gebüsch, eine Gesichtskontur, eine Leitplanke) die ihre Fragmentarität beinahe schamvoll verbergen und so gut es geht nur andeuten.

Anders als etwa die Modefotografie in der nichts mehr glaubwürdig bleibt außer der extravaganten Kleidung und ihrer Inszenierung, lassen Hehmanns Fotografien ihre Betrachter explizit im Unklaren? Indem diese Ansichten >erleuchtete Fragmente< zeigen, verdeutlichen sie zugleich, das da Medium Photographie auch eine Erfahrung von Kunst anstrebt – ihre Option mit einer gewissen Emphase und Lust am Rätseln eine Welt zu kennzeichnen, die aus mehr besteht als nur aus einer unregelmässigen Verteilung von Licht und Schatten, von paradoxem ästhetischem Sinn und lebendig verschwindender Zeit, von Nacht und Welt.

„Das Auge entwickelte sich, wo genug Licht war“ schrieb John Berger in seinem Essay „Schritte zu einer kleinen Theorie der Sichtbarkeit“. „Die ersten reproduzierten Menschen“ schrieb Walter Benjamin in seiner „Kleinen Geschichte der Fotografie“ traten „in den Blickraum der Photographie unbescholten und unbeschriftet“. Die erste reproduzierte Ansicht einer Fotografie auf die Welt war ein Blick auf eine fast menschenleere Pariser Strasse, die sich chimärenhaft aus einer Dunkelheit abzeichnete….